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Vladimir Nabakov – Lushins Verteidigung

Als einer der wenigen Schachromane rutschte vor einer Weile Nabakovs Frühwerk „Lushins Verteidigung“ auf meinen Leseplan. Der russische Schmetterlingsforscher, der 24 Jahre später mit „Lolita“ Weltruhm erlangte, lebt in der Erzählung vom schachverfallenen Lushin seine eigene Schachaffinität aus und versinkt scheinbar in der Aufarbeitung seiner Kindheits- und Jugenderlebnisse. So wird das Lesevergnügen getrübt von etlichen detaillierten Beschreibungen ganz profaner Dinge, wie der Erkenntnis des Wellen des Papiers unter Aquarellfarben. Es drängte sich mir bei solchen Bildern immer wieder der Eindruck der Einfallslosigkeit, des lieblosen Ausschmückens eines im Grunde hochdramatischen Stoffs auf. Freilich, Nabakov gelingt schon irgendwie die Darstellung einer Schachwelt, die für Lushin die wirkliche Welt darstellt, und die daraus resultierenden Probleme mit der Welt da draußen, die er nicht ernst nimmt. Das gibt einen interessanten Stoff, wenn Lushin das liebe Geld, seine Körperpflege oder sogar seine eigene Frau weniger wichtig sind als die Schönheit einer Kombination. Doch gewinnt der Roman leider nicht an Fahrt, sondern verliert sich in biographischen Belanglosigkeiten, um schließlich im vorhersehbaren und doch uninszenierten Finalzug zu münden. „Lushins Verteidigung“ ist dennoch lesenswert, der Einblick in die Schachseele Lushins ein nicht zu missender. Für Schachfreunde allemal ein muss.

Nabakov übersetzte vor „Lushins Verteidigung“ übrigens Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“, den Nachfolger von „Alice im Wunderland“. Und so werde ich wohl, wenn ich „Die Frau am Abgrund der Zeit“ ausgelesen habe, mich den zwei Bänden Alice widmen.

Zwischendurch versuche ich natürlich noch die Verfilmung zu sehen, die mit John Turturro und Emily Watson großartiges verspricht. Als Deutschgucker jedoch werde ich es nicht leicht haben …

ps: Vielleicht kann sich der ein oder die andere versierte Nerd mal diese Seite vornehmen? Danke!